Pressenotiz zu : Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.11.1999
Im Februar 2000 jährt sich der Geburtstag Kaiser Karls V. zum 500. Mal. Aus diesem Anlass bespricht Christine Tauber Kohlers Buch zusammen mit zwei weiteren Neuerscheinungen: Ernst Schulins „Kaiser Karl V.“ (Verlag W. Kohlhammer) und Sigrid-Maria Größings „Karl V.“ (Amalthea Verlag).
1) „Karl V. 1500-1558“ von Alfred Kohler
Kohler geht nach Ansicht Taubers wesentlich seriöser mit dem Gegenstand um als Größing. Die Rezensentin erklärt das unter anderem aus der 25-jährigen Beschäftigung des Historikers mit der Epoche. Dabei fühle sich Kohler der „kanonischen“ Biographie Karl Brandis über den Kaiser verpflichtet. Anders als Schulin betone Kohler „die zentrierende Kraft des Europagedankens“ bei Karl V.. Im zweiten Drittel von Kohlers Biographie stört Tauber eine konventionelle, an der chronologischen Perlenschnur der Schlachtenabfolge orientierte Erzählweise.
2) „Kaiser Karl“ von Ernst Schulin
An Schulins Buch begeistert Tauber unter anderem die „fast künstlerisch zu nennende Vorgehensweise“. Ihm schwebe offenbar ein Porträt im Sinne Jakob Burckhardts vor. Dabei stellt sich heraus, dass der Kaiser bei Schulin weder als „Renaissancefürst“ noch als Vorkämpfer nationaler Ideen zu verstehen sei. Der Untertitel verrate schon die Grundthese des Buchs, das die Geschichte „eines zu großen Anspruches“ nachzeichne. Besonders erfreulich findet Tauber den Reichtum der Detailbeobachtungen bei Schulin.
3) „Karl V.“ von Sigrid Maria Größing
Größings Buch schneidet am schlechtesten ab. Die Autorin lasse sich von mangelnder Faktenkenntnis nicht stören und ersetze sie durch „weibliche Intuition“. Besonders skurril findet Tauber dabei, dass Größing Situationen im Leben des Kaisers, über die es fast keine Quellen gibt, nacherzählt, als wäre sie dabei gewesen. Seriös findet Tauber diesen „Blick durch die Schlüssellöcher“ nicht.
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